Kirchlicher Entwicklungsdienst

Quelle: Michael Starck

Teilnehmende der Podiumsdiskussion: (v.l.): Ralf Häussler, Christian Hiss, Volker Greulich, Dr. Heike Wagner, Grit Puchan, Dr. Rudolf Buntzel  

Ökumenischer Strategietag der vier großen Kirchen in Baden-Württemberg zur Entwicklungszusammenarbeit zum Thema: Ernährung und Landwirtschaft am 31.1.2019 im Haus der katholischen Kirche in Stuttgart

 

Am 31.1.19 trafen sich Vertreter der vier großen Landeskirchen in Baden-Württemberg zu ihrem diesjährigen Strategietag in Stuttgart im Haus der katholischen Kirche. Einmal im Jahr findet dieses Treffen statt, an dem die vier Kirchen sich mit einem aktuellen entwicklungspolitischen Thema beschäftigen und ihre Strategien im Umgang mit diesem entwickeln. Diesmal stand der Tag unter dem Oberthema „Ernährung und Landwirtschaft“.

Dr. Heinz D. Staeps Domkapitular der Erzdiözese Rottenburg-Stuttgart, erinnerte in seiner Begrüßung daran, dass die Zahl der Hungernden seit 2017 wieder steigt und von 4 Hungernden 3 auf dem Land leben. Er bezog sich auf die Enzyklika Laudato si von Papst Franziskus, in der in Abschnitt 49 daran erinnert wird, dass die Umweltfragen nicht isoliert von den sozialen Fragen behandelt werden können und in Abschnitt 129 die Verantwortungsträger in die Pflicht genommen werden, Kleinproduzenten und die Produktionsvielfalt klar und nachdrücklich zu unterstützen.

Als Hauptreferent war Dr. Rudolf Buntzel gewonnen worden. Der frühere Referent für Landwirtschaft im kirchlichen Entwicklungsdienst bei Brot für die Welt und nach wie vor ehrenamtlicher Berater der Organisation in Welternährungsfragen ist inzwischen Bereichsleiter der Abteilung Politische Ökologie an der Akademie Schloss Kilchberg. Hier arbeitet er an dem Ziel einer Agrarwende. In seinem Vortrag ging er auf die Vielzahl der Standards ein, die es heutzutage in der Lebensmittelindustrie gibt. Zu den bereits existierenden rund 600 Standards kämen jährlich rund 50 hinzu. Hierbei könne man zwischen den obligatorischen staatlichen Standards unterscheiden, die jedes in Deutschland im Laden zum Verkauf angebotene Lebensmittel einhalten müsse und den freiwilligen privaten Standards, den sog. „Voluntary Sustainable Standards“ (VSS), von denen 260 auf der Webseite http://sustainabilitymap.org. erfasst seien. Die in Deutschland bekanntesten Label Standards seien die verschiedenen Bio-Labels und das Fair Trade-Siegel. Anders als der Rest der Standards stünden hinter diesen beiden Siegeln soziale Bewegungen, die mit der Siegelvergabe einen Bildungsauftrag verbänden. Das Fairtrade-Siegel möchte den Kleinerzeugern in den Entwicklungsländern helfen. Der den Erzeugern gegenüber dem Weltpreis gezahlte Aufschlag käme den Kleinbauern zugute.

Dr. Rudolf Buntzel erläuterte Vor- und Nachteile der Siegel: Sie füllten eine Lücke, insofern sie schwache staatliche Regulierungen ersetzten. Sie garantierten bestimmte hygienische Standards, führten zu einer Bewusstseinserweiterung und schafften neue Vermarktungswege bzw. böten den Erzeugern eine Absicherung gegen schwankende Weltmarktpreise. Kritisch anzumerken seien die hohen Hürden, die Kleinerzeuger erfüllen müssten, um die Siegel zu erlangen. Das Bemühen, den Vergaberichtlinien gerecht zu werden, bedeute auch einen gewissen Autonomieverlust der Bauern. Da sich 80 % des Lebensmittelmarkts in der Hand von 5 Anbietern befindet, bestünde die Gefahr, dass die Siegelvergabe den Geschäftsinteressen dieser Konzerne diene – zumal der Staat auch die Kontrolle über die Lebensmittelproduktion z.T. an die Konzerne übertrage. Die Fülle der Siegel brächte die Gefahr eines Wildwuchses mit sich. Hinzu käme die Gefahr des Greenwashing, wenn große Konzerne sich der bekannten Siegel auf ausgewählten Produkten bedienten.

Auf einer anschließenden Podiumsdiskussion wurde das Thema vertieft. Moderiert von Dr. Heike Wagner, Leiterin der Abteilung internationale Beziehungen der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Ralf Häußler, Leiter des Zentrums für Entwicklungsbezogene Bildung (ZEB) der ev. Kirche in Württemberg, diskutierten Grit Puchan, Ministerialdirektorin im Ministerium für den ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Volker Greulich, Projektreferent Afrika bei Kolping International, Christian Hiss, Gründer und Vorsitzender der Regionalwert AG, einer Bürgeraktiengesellschaft zur Finanzierung von Betriebsgründungen ökologisch produzierter landwirtschaftlicher Erzeugung mit Dr. Rudolf Buntzel. Grit Puchan machte in der Diskussion stark, dass sich das Land bewusst um die Förderung kleiner Landwirte in Baden-Württemberg mit +/- 35 ha Landbesitz kümmere. Sie betonte die Strategie des Landes, die heimische Landwirtschaft zu stärken und erinnerte an das Qualitätssiegel „aus Baden-Württemberg“.

Volker Greulich betonte aus seiner langjährigen Erfahrung in Afrika das Investitionsdefizit im ländlichen Bereich, was sich im fehlenden Zugang zu den Märkten bedingt durch mangelhafte Infrastruktur niederschlage. Die Stärkung der Kleinbauern sei entscheidend für die Bekämpfung des Hungers in Afrika.

Christian Hiss merkte an, dass der Begriff des Kleinbauerns oft mystifiziert werde. Es komme auf den ökonomischen Typ des Betriebes an, nicht auf die Größe. Ein Kleinbauer aus Baden-Württemberg oder aus Tanzania, der Saatgut aus China oder von Monsanto benutzt, produziere auch industriell.

Dr. Rudolf Buntzel hob hervor, dass regionale Siegel auch irreführend sein könnten, wenn sie nichtssagend sind, oder gar rassistisch, wenn sie die Herkunft aus Deutschland hervorheben bzw. auch technische Handelshemmnisse darstellen können, um sich ausländischer Konkurrenz zu erwehren. Die Kirchen sollten, so Christian Hiss in der Diskussion, von ihrer Marktmacht Gebrauch machen. So gebe die Erzdiözese Freiburg über ihre diakonischen Einrichtungen z.B. tagtäglich 50.000 Essen aus. Hier könnte man stärker als bisher regionale und biologische Kriterien berücksichtigen.

Am Nachmittag wurde die Arbeit am Thema in fünf Kleingruppen fortgeführt.

In der AG 1 ging es um die Rechte der Bauern weltweit. Geleitet wurde diese Arbeitsgruppe von Wolfgang Schleicher vom Verband katholisches Landvolk. Als Aufgabe für die Zukunft wurden die Teilnehmer aufgefordert, die UN-Deklaration zu den weltweiten Bauernrechten („global peasants rights“) weiter bekannt zu machen.

AG 2 zum Thema „Friedensarbeit und Entwicklung“ wurde von Charlotte Kehne von „Ohne Rüstung leben“, Richard Bösch, Bildungsreferent von Pax Christi und Joachim Schilling, Friedenspfarrer der Ev. Kirche in Württemberg geleitet. Angeregt wurde, dass sich die Teilnehmer mit dem badischen Prozess „Sicherheit neu denken“ auseinandersetzen und diesen versuchen, auch in Württemberg bekannter zu machen. AG 3 stand unter dem Oberthema „Globales Lernen. Ländliche Entwicklung und Ernährungssouveränität – Ideen und Angebote für die Praxis“. Geleitet wurde diese Arbeitsgruppe von Gundula Büker und Rainer Schwarzmeier vom EPIZ in Reutlingen. Die zahlreichen Angebote des EPIZ im Bereich „Globales Lernen und Bildung für Nachhaltige Entwicklung/BNE“ wurden den Teilnehmern vorgestellt und diese wurden motiviert, diese an Interessierte weiter zu verbreiten.

AG 4 unter der Überschrift „Rettet die Sorten, das Saatgut und die Lebensmittel“ wurde durch die AG Jugend organisiert. Referenten waren hier Patrick Kaiser von Genbänkle e.V. und die Initiative Foodsharing. Angeregt wurde, dass Kirchen Verteilerstationen für Foodsharing einrichten sollen und es wurde die Petition „Verschwendungsfasten“ vorgestellt.

AG 5 schließlich wurde durch den Indonesienreferenten der EMS, Hans Heinrich, geleitet. Unter der Überschrift „Landwirtschaft und Partnerschaftsarbeit“ wurden exemplarische Projekte in Indonesien vorgestellt, die die Arbeit der Bauern in Indonesien fördern. Es wurde klar, dass ein Dialog mit den Partnerländern über das Thema „Landwirtschaft und Ernährung“ für alle Seiten gewinnbringend ist.

Michael Starck

 

Badische Eröffnung der 60. Aktion von Brot für die Welt

Stupferich, 11.12.2018

Die 60. Spendenaktion von Brot für die Welt ist am 2. Advent, am 11.12.2018, in Stupferich eröffnet worden. Die Gemeinde Palmbach-Stupferich engagiert sich seit 40 Jahren mit einem Brot für die Welt-Gemeindefest am 2. Advent für die Projekte des evangelischen Hilfswerks. Erlöse aus dem traditionellen Erbsenessen an diesem Tag werden neben den Kollektengeldern an Brot für die Welt weitergegeben. Für ihr langjähriges Engagement war die Gemeinde in diesem Jahr mit dem Brot für die Welt-Preis geehrt worden.

Quelle: Michael Starck

Im Bild zu sehen: Volker Erbacher, Referent für Brot für die Welt im Diakonischen Werk in Baden, Pfarrerin Anne Helene Kratzert aus der Gemeinde Palmbach-Stupferich und Michael Starck, Landeskirchlicher Beauftragter für den Kirchlichen Entwicklungsdienst der EKIBA

Besuch bei der ev.-ref. Kirche Transkarpatien in der West-Ukraine

22.-25.10.2018
Quelle: Michael Starck

Vom 22. bis 25. Oktober 2018 war der Landeskirchliche Beauftragte für den Kirchlichen Entwicklungsdienst Michael Starck zu Gast bei der evangelisch-reformierten Kirche der ungarischen Minderheit in Transkarpatien / Ukraine, mit der als Landeskirche und über das GAW seit Jahren partnerschaftlich verbunden sind.

Er konnte sich vor Ort ein Bild von der Not machen, in der die Menschen in dieser Region leben. Die Menschen in der West-Ukraine leiden seit Jahren bereits unter bitterer Armut. Eine hohe Arbeitslosigkeit und eine nur rudimentär ausgebildete soziale Infrastruktur führen dazu, dass ein Großteil der arbeitsfähigen Bevölkerung ins Ausland zieht. Zurück bleiben die Alten und Schwachen.

Seit dem Ausbruch des Krieges zwischen der Ukraine und Russland hat sich die Situation der Bevölkerung noch einmal dramatisch verschärft. ‚Weitere Kürzungen staatlicher Leistungen, inflationäre Preissteigerungen und ein verschärfter Nationalismus im Land, der alle Minderheiten trifft, führen dazu, dass die ungarische Minderheit im Land sich in ihrer Existenz zusehends bedroht fühlt.

In dieser Situation betreibt die evangelisch-reformierte Kirche in Transkarpatien seit 1995 ein Diakoniezentrum. Hier werden täglich 140 Portionen Suppe ausgegeben. Hinzu kommen täglich noch bis zu 500 Essen für Roma. Die Bäckerei des Diakoniezentrums backt jährlich 40.000 Brote, die an Bedürftige verteilt werden. Das Diakoniezentrum unterhält zudem zwei Seniorenheime mit insgesamt 34 Plätzen und ein Mutter-Kind-Heim, in dem derzeit 6 Mütter mit 10 Kindern leben. Eingerichtet wurde auch ein Pflegedienst, der an sechs verschiedenen Orten zur Zeit 170 Menschen betreut Von der Kirche werden weiterhin zwei Rehabilitationszentren für behinderte Kinder und Jugendliche unterhalten, wo diese tagsüber betreut und durch verschiedene Therapien gefördert werden. In mittlerweile drei Orten bietet sie außerdem einen Nachmittagsunterricht für Roma-Kinder an.

Die Evangelische Kirche in Baden wird auch in den kommenden Jahren die sozialen Projekte der Partnerkirche weiter fördern.

 

50 Jahre Kirchlicher Entwicklungsdienst

Jubiläumsfeier der EKD am 11.10.2018
Quelle: Patrick Schnabel

Am 11.10.2018 nahm der KED-Beauftragte der Evangelischen Kirche in Baden, Michael Starck, am Festgottesdienst anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Kirchlichen Entwicklungsdienstes teil.

In der epd-Meldung zum Festakt heißt es:

Bedford-Strohm ermutigt zum Einsatz für Gerechtigkeit

Festgottesdienst zum 50-jährigen Bestehen des Kirchlichen Entwicklungsdienstes (KED)

Hannover/Braunschweig (epd).

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat die Christen zum Einsatz für Gerechtigkeit und Menschenrechte weltweit aufgerufen. „Wir wissen, was zu tun ist. Wir haben Mose und die Propheten, wir haben die Gebote. Wir müssen nur endlich danach handeln“, sagte Bedford-Strohm in Hannover in einem Festgottesdienst zum 50-jährigen Bestehen des Kirchlichen Entwicklungsdienstes (KED).

Der Kirchliche Entwicklungsdienst engagiert sich seit 50 Jahren auf vielfältige Weise gegen Armut  und Unterdrückung. Es werden durch den KED eine Vielzahl von Projekten in Afrika, Asien, Lateinamerika unterstützt z. B. für Bildung, Gesundheit, Frauenrechte, nachhaltige Landwirtschaft. Dies erfolgt mit finanziellen Mitteln aber auch mit Beratung durch Fachkräfte.  Dabei war es von Anbeginn ein Anliegen des KED die entwicklungspolitische Bildungs- und Bewusstseinsarbeit in Deutschland zu fördern, denn viele Ursachen für weltweite Ungerechtigkeit liegen in der Verantwortung von Ländern wie Deutschland. Viele Kampagnen, Aktionen sowie Bildungsprojekte z. B. zum Fairen Handel, Unternehmensverantwortung, Entschuldung, ethische Geldanlagen oder  Klimagerechtigkeit wurden deswegen durch den KED ermöglicht.

Über Jahrzehnte ist so in den Kirchen ein starkes Netz entwicklungspolitischer Arbeitszweige entstanden, sagte Bedford-Strohm laut Predigtmanuskript. „Ethisches Handeln, politische Verantwortungsübernahme sind nicht optional, sie sind Konsequenz gelebten Glaubens“, betonte Bedford-Strohm.

Die zum Jubiläum erschienene Festschrift „Entwicklung – Ökumene – Weltverantwortung / 50 Jahre Kirchlicher Entwicklungsdienst“  gibt Ein- und Ausblicke in die Arbeit des Kirchlichen Entwicklungsdienstes.

Den Ausgangspunkt für die bundesweite kirchliche Entwicklungsarbeit bildete ein Beschluss der EKD-Synode in Berlin-Spandau im Jahr 1968: Dabei rief die EKD ihre Mitgliedskirchen auf, zwei und später fünf Prozent des Kirchensteuer-Aufkommens für die Entwicklungsarbeit zur Verfügung zu stellen.

https://www.ekd.de/50-jahre-ked-bedford-strohm-fordert-einsatz-fuer-gerechtigkeit.htm


Vgl. dazu auch das Interview mit Katja Breyer,Mitglied der vierköpfigen Steuerungsgruppe der Landeskirchen, die den KED tragen auf: https://www.evangelisch.de/inhalte/153051/28-10-2018/kirchlicher-entwicklungsdienst-wir-haben-dicke-bretter-zu-bohren